fachabteilungen banner chirurgie

videosprechstunde

Mehr Infos

Thoraxchirurgie

Unter dem Thorax versteht man den Brustkorb. Er beinhaltet lebenswichtige Organe (unter anderem Herz, Lunge, große Gefäße). Da die Lunge bei einer Eröffnung des Brustkorbes in sich zusammen fällt, sind Operationen im Thorax nur möglich, wenn bei der Narkose besondere Vorkehrungen getroffen werden. Insbesondere ist die künstliche Beatmung der Patienten lebenswichtig. Auch besteht im Vergleich zu anderen Operationen ein erhöhtes Risiko, durch Verletzung der genannten Strukturen das Leben des Patienten zu gefährden. Daher sollte Thoraxchirurgie nur von erfahrenen Chirurgen ausgeübt werden.  Bei uns bestehen sowohl die technischen Möglichkeiten als auch sachkundiges Personal zur Durchführung zahlreicher Thorax-Operationen.

 
 
 

Im Brustkorb befinden sich lebenswichtige Organe. Insbesondere Herz, Lunge, Speiseröhre sowie Blut- und Lymphgefäße sind recht häufig auch von chirurgischen Erkrankungen betroffen. Operationen im Bereich des Brustkorbes erfordern besondere apparative Voraussetzungen. Bei jeder Thoraxoperation ist eine maschinelle Beatmung erforderlich. Eine selbstständige Atmung kann bei geöffnetem Brustkorb nicht funktionieren, da hierdurch der im Thorax vorhandene und für die Atmung notwendige Unterdruck aufgehoben wird. Herz, Lunge und Gefäße sind ferner lebenswichtige Organe, die nicht über das für die Operation notwendige Maß hinaus verletzt werden dürfen. Wir verfügen über die Ausstattung und Kompetenz zur Durchführung zahlreicher Operationen im Thoraxbereich. Einige häufig auftretende Beispiele aus dem großen Komplex der Thoraxchirurgie sind: 

Verschluss eines Persistierenden Ductus Arteriosus (PDA):

Ein bestimmtes im Embryo angelegtes und notwendiges Gefäß ("Ductus arteriosus") verschließt sich normalerweise kurz nach der Geburt mit Einsetzen der Atmung. Bleibt es offen, kommt es zu einem abnormalen Blutkreislauf. Es kommt zur Durchmischung von arteriellem (sauerstoffreichem) und venösem (sauerstoffarmem) Blut. Im weiteren Verlauf kann es aufgrund der veränderten Druckverhältnisse im Gefäßsystem zum Herzversagen kommen. Der chirurgische Verschluss des Gefäßes ist in der Regel möglich und führt meist zu einer deutlichen Verbesserung des Zustandes oder, insbesondere bei möglichst frühzeitiger Operation, zur Heilung des Tieres.

Rechtsaorta:

Normalerweise liegt die Hauptschlagader links der Speiseröhre. Die Speiseröhre kann sich normal ausdehnen. Bei einigen Tieren ist die Hauptschlagader jedoch auf der rechten Seite angeordnet. Diese Veränderung in der Anatomie führt zur Einengung der Speiseröhre durch einen Gefäßring. Sie kann sich nicht mehr normal ausdehnen und das Tier hat Probleme beim Schlucken fester Nahrung. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann eine chirurgische Eröffnung des Gefäßringes zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen. Allerdings ist die Speiseröhre zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits so geschädigt, dass eine vollständige Heilung nicht mehr möglich ist. 

Brustkorb- und Lungenverletzungen:

Die wichtigste Funktion der Lunge ist die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff. Die Lunge wird durch den bei der Atembewegung entstehenden Unterdruck aufgebläht und füllt sich mit Luft. Der Luftsauerstoff wird über die "Alveolen" an rote Blutkörperchen gebunden. Wird die Lunge verletzt, gerät Atemluft in den Brustkorb und der für die Atmung notwendige Unterdruck wird aufgehoben. Ähnliches passiert bei Verletzungen der Brustwand. Häufige Ursachen sind Autounfälle, Stürze (insbesondere aus größerer Höhe) und Bissverletzungen. Kleinere Lungenverletzungen nach Unfällen heilen häufig spontan und müssen nicht operiert werden. Größere Lungen- oder Atemwegsverletzungen oder Verletzungen der Brustwand müssen hingegen chirurgisch verschlossen werden. 

 
 
 
 
  

Abb. 1: Lungenverletzung bei einem Yorkshire-Terrier nach einer Beißerei. Die Verletzungen werden vernäht.
Abb. 2: Blut- und Luftgefüllte Hohlräume ("Bullae") in der Lunge eines Irish Setter nach einem Autounfall. Die betroffenen Lungenareale werden entfernt 
Abb. 3: Lungentumor bei einem Berner Sennenhund. Einzelne Lungentumoren können durch eine Entfernung des betroffenen Lungenlappen therapiert werden. Diese Möglichkeit ist bei mehreren Tumoren nicht sinnvoll. 
Abb. 4: Persistierender Ductus Arteriosus bei einem Dackel. Diese Gefäßmissbildung ist in den meisten Fällen durch einen chirurgischen Verschluss des betroffenen Gefäßes therapierbar

Lungenlappenentfernung: 

Wenn Teile der Lunge so stark geschädigt sind, dass sie nicht erhalten werden können, müssen sie entfernt werden. Andere - intakte - Lungenteile übernehmen mit der Zeit die Funktion der verloren gegangenen Areale. Maximal die Hälfte des Lungenvolumens kann entfernt werden, bevor der Verlust lebensbedrohlich wird. Dennoch sollte die entfernte Menge so gering wie möglich gehalten werden. Häufige Indikationen für die Entfernung eines (oder mehrerer) Lungenlappen sind unter anderem Verletzungen, Eiteransammlungen, Fremdkörper und Tumore. 

Tumoren im Brustkorb:

Jedes Organ im Thorax und auch die Brustwand selbst können von Krebserkrankungen betroffen sein. Einige davon lassen sich operativ entfernen. Ob ein Tumor entfernt werden kann, wird anhand verschiedener Faktoren entschieden. Wichtig sind zum Beispiel: Art des Tumors, Art des betroffenen Organs, Lage des Tumors im jeweiligen Organ, Größe des Tumors und das Vorhandensein von Tochtergeschwulsten (Metastasen). Häufig ist vor der Entscheidung eine Computertomographie oder eine andere aufwändige Untersuchung erforderlich. Einige Fälle werden zu einer weiteren Behandlung (z.B. Bestrahlung) auch an andere Spezialisten verwiesen. Ob und wie die Therapie einer Krebserkrankung durchgeführt wird, ist immer eine sehr individuelle Entscheidung. Hier spielen auch Faktoren wie die Lebenserwartung des Tieres und die Einstellung des Tierbesitzers eine große Rolle. Für die Beratung nehmen wir uns daher insbesondere bei Tumorerkrankungen viel Zeit. Wir behandeln Sie hierbei stets mit großem Einfühlungsvermögen und beraten Sie kompetent, damit Sie Ihre Entscheidung mit gutem Gewissen treffen können.